In verschiedenen Workshops und Supervisionen setzten sich die Lehrpersonen mit der «Neuen Autorität» auseinander und reflektieren in Intervisionen fortlaufend Geschehnisse aus dem Schulalltag. Das Konzept der «Neuen Autorität» wird mit sieben Säulen erklärt.

1. Präsenz – wachsame Sorge

«Präsenz» meint, dass wir spürbar bereit sind, für die uns anvertrauten Kinder Verantwortung zu übernehmen und sie zu unterstützen. Wir sind respektvoll, wertschätzend und aufrichtig; wir schauen hin und sprechen Schwierigkeiten an. Wenn ein Kind öfters fehlt, fragen wir nach. Jede erwachsene Person im Schulteam fühlt sich für alle Kinder mitverantwortlich. «Ich bin da, weil du mir wichtig bist», ist die zentrale Botschaft.

2. Beziehung – Wertschätzung

Beziehung ist die wichtigste Ressource: Nur wenn es gelingt, durchgängig in einer guten Beziehung zu bleiben – gleichgültig wie anspruchsvoll sich eine Situation zeigt – sind wir ein sicherer Ort. Wir geben positive Aktivitäten trotz schwieriger Verhaltensweisen nicht auf und schaffen verbindende Gesten. «Wir zeigen dir, dass wir dich gernhaben.» ist der Kernspruch.

3.  Selbstkontrolle und Eskalationsvorbeugung

Wir sind achtsam. Wenn wir im Affekt überreagieren, führt das nicht selten zu Beschämung, die lange nachhallt und die Beziehung beschädigt. In Situationen, die uns ärgern, bleiben wir ruhig und nehmen Tempo raus. Wir schmieden das Eisen, wenn es kalt ist. Wir lassen uns nicht in Konflikte hineinziehen, lenken weg vom ICH und DU auf die Sache und suchen den Schulterschluss. Wir pflegen eine positive Fehlerkultur. «Wir können dich nicht kontrollieren oder verändern, sondern nur uns selbst.» lautet hier der zentrale Satz.

4. Protest – gewaltloser Widerstand

Eine notwendige Veränderung wird klar und beharrlich eingefordert, und zwar ohne Entwertung, Blossstellung, verbale oder tätliche Gewalt. Wir begegnen mit erhöhter Präsenz und steigender wachsamer Sorge. Wir handeln sichtbar und bringen damit zum Ausdruck, dass wir ein Verhalten nicht akzeptieren. Positive Verhaltensweisen fördern wir gezielt. Das Motto ist: «Wir leisten Widerstand.»

5. Wiedergutmachung – Verantwortung

Wo Schaden entstanden ist, muss es Entschädigung geben. Wir übernehmen die Verantwortung für den Schaden und unterstützen die Kinder dabei, verursachten materiellen, physischen und psychischen Schaden ohne Blossstellung wieder zu beheben. Die Wiedergutmachung unterstützt die Reintegration der Kinder in die Gemeinschaft und stärkt die Gemeinschaft selbst. Die Kernbotschaft lautet: «Entschädigung muss sein, wir unterstützen dich dabei.»

6.  Unterstützung und Netzwerk – Bündnisse

Der Aufbau und die Pflege von tragfähigen Unterstützungsnetzwerken mobilisieren die Kräfte der Erziehenden und wirken sich positiv auf ihr Selbstwirksamkeitserleben aus. Wir sprechen uns ab und arbeiten mit allen Beteiligten zusammen. Der Leitspruch lautet: «Wir informieren auch andere, denen du wichtig bist».

7.  Transparenz und partielle Öffentlichkeit

Das Heraustreten aus der Isolation und der «Geheimhaltung» eröffnet die Möglichkeit, Unterstützung zu mobilisieren. Die Kooperation mit anderen Erwachsenen stärkt die eigene Präsenz. Das gegenseitige Vertrauen wächst. Wir machen Geschehnisse sichtbar und signalisieren dem Kind, dass die Erwachsenen zu seinem Wohl an einem Strang ziehen. Die zentrale Aussage lautet: «Wir informieren dich darüber, wie wir handeln.»

Den Lehrpersonen ist wichtig, auch die Kinder aus anderen Klassen kennen zu lernen, sie mit dem Namen anzusprechen und mit ihnen in Beziehung zu kommen. Auf einigen Schulstufen spielen und lernen die Kinder mit Kindern aus anderen Klassen. So können sie gemäss ihren Interessen und Kompetenzen gezielter gefördert werden. Auch bei klassenübergreifenden Anlässen legt das Schulteam den Fokus auf positive beziehungsfördernde Begegnungen. Dabei lernen sich die Kinder gegenseitig besser kennen und schätzen; es bilden sich Freundschaften über die Klassen hinweg. Diese Veränderung lässt sich beobachten. Ältere Schüler nehmen vermehrt Rücksicht auf die Jüngeren. Sie merken, wenn kleinere Kinder erschrecken oder ihnen eine Dummheit nachmachen. Die Kleineren sehen ein, dass sie ältere Schüler nicht ärgern dürfen. Die Schulkinder übernehmen mehr und mehr eine Mitverantwortung für unsere Schule und finden selbst Lösungen bei Schwierigkeiten. 

Dem Schulteam Gommiswald ist eine starke vertrauensvolle Gemeinschaft wichtig. 
Wir möchten im Team und mit den Schulkindern sowie den Eltern eine WIRHaltung mit gemeinsamen Werten leben. So unterstützen wir die Kinder bestmöglich auf ihrem schulischen Weg und fördern gleichzeitig ihre soziale und emotionale Entwicklung. Für den 27. April ist ein 
WorkshopAbend für die Eltern vom Kindergarten bis zur 6. Primarklasse in Planung. Wir möchten uns zu den sieben Säulen der «Neuen Autorität» austauschen, vernetzen und gegenseitig stärken.